{"id":7304,"date":"2021-04-07T13:34:47","date_gmt":"2021-04-07T13:34:47","guid":{"rendered":"https:\/\/archive.rakuskekulturneforum.sk\/?p=7304"},"modified":"2021-04-07T13:34:47","modified_gmt":"2021-04-07T13:34:47","slug":"hugo-portisch-ein-nachruf-von-heinz-nussbaumer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archive.rakuskekulturneforum.sk\/de\/hugo-portisch-ein-nachruf-von-heinz-nussbaumer\/","title":{"rendered":"Hugo Portisch: Ein Nachruf von Heinz Nu\u00dfbaumer"},"content":{"rendered":"<h1><a href=\"https:\/\/concordia.at\/hugo-portisch-nachruf\/\">Hugo Portisch: Ein Nachruf von Heinz Nu\u00dfbaumer<\/a><\/h1>\n<div class=\"text\">\n<div id=\"fws_606db4a2b95c4\" class=\"vc_row wpb_row vc_row-fluid  animate_onoffset row-dynamic-el standard_section     \">\n<div><\/div>\n<div class=\"container  dark\">\n<div class=\"section_clear\">\n<div class=\"vc_col-sm-9 wpb_column column_container \" data-animation=\"none\" data-delay=\"\">\n<div class=\"wpb_wrapper\">\n<div class=\"wpb_text_column wpb_content_element \">\n<div class=\"wpb_wrapper\">\n<p><strong><em>Der Presseclub Concordia trauert um sein Ehrenmitglied Hugo Portisch, der seit 1959 unser Mitglied war und 2011 von der Concordia f\u00fcr sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Laudator damals: Heinz Nu\u00dfbaumer, langj\u00e4hriger Weggef\u00e4hrte Portischs. Jetzt hat unser Vorstandsmitglied Nu\u00dfbaumer diesen Nachruf auf seinen Freund verfasst. Der darin enthaltene Vorschlag, eine \u201eHugo Portisch-Schule f\u00fcr Medienethik\u201c ins Leben zu rufen, verdient es, weiterverfolgt zu werden.<\/em><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"wpb_content_element media_align_left media media_el animate_onoffset \">\n<div class=\"media_wrapper\"><img decoding=\"async\" class=\"type_image animated fadeInLeft alignment_left\" src=\"https:\/\/concordia.at\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/hugo-portisch-concordia-preis.jpg\" alt=\"Alt Text\" \/><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"wpb_text_column wpb_content_element \">\n<div class=\"wpb_wrapper\">\n<h3><strong>Was von Hugo Portisch bleibt<br \/>\n<\/strong><em>Handreichungen f\u00fcr den Journalismus von heute und morgen<\/em><\/h3>\n<p>Ganz leise und am Ende ohne einen Anhauch von \u00d6ffentlichkeit, die ein Leben lang auf ihn hingeh\u00f6rt hat, ist er von uns gegangen: Hugo Portisch \u2013 er, dessen ganzes Wirken der beispielhaften Umsetzung der Ziele des Presseclub \u201eConcordia\u201c gedient hat. Und dessen Geist uns auch mit seinem Abschied aus dieser Welt nicht verloren gehen wird und darf.<\/p>\n<p>Wie kaum ein anderer \u00d6sterreicher ist er nach Bekanntwerden seines Todes \u00f6ffentlich betrauert und gew\u00fcrdigt worden; hat mit seinem Leben und Wirken die Medien gef\u00fcllt \u2013 in Dankbarkeit und (f\u00fcr einen Journalisten h\u00f6chst ungew\u00f6hnlich) auch ehrfurchtsvoll.<\/p>\n<p>So kann sein publizistisches Lebenswerk hier in wenigen S\u00e4tzen in Erinnerung gerufen werden \u2013 wissend, dass es schon jetzt ein Teil der \u00f6sterreichischen Zeitgeschichte ist:<\/p>\n<ul>\n<li>Hugo Portisch war ein legend\u00e4rer Chefredakteur im KURIER \u2013 und hat es dabei geschafft, die Trennung zwischen Qualit\u00e4tsmedium und Massenblatt aufzuheben: Mehrere hunderttausend Leserinnen und Leser hat er schon damals mit einem Maximum an journalistischer Qualit\u00e4t versorgt. Eine Gleichung, die heute kaum einem Medium gelingt.<\/li>\n<li>Er hat Tausende Leitartikel und Kommentare zum Zeitgeschehen f\u00fcr Printmedien und TV verfasst \u2013 und dazu noch jede Menge gro\u00dfer TV-Dokumentationen und Zeitungsserien.<\/li>\n<li>Er war Autor einer Vielzahl von B\u00fcchern, Bestsellern, \u2013 und hat damit die \u00d6sterreicher zu einer Weltoffenheit verf\u00fchrt, die heute \u2013 im Zeichen immer st\u00e4rkerer Globalisierung \u2013 eher im R\u00fcckzug ist. Hand aufs Herz: Was wissen wir heute noch \u00fcber Afrika, China, Russland, Weltgegenden, in die er uns damals immer wieder geistig mitgenommen hat?<\/li>\n<li>Er hat die Scheunen der Erinnerung \u00fcber unsere Geschichte ge\u00f6ffnet, gesichtet und dokumentiert. Und dies nicht nur f\u00fcr \u00d6sterreich: Viele Millionen Russen etwa haben nach der gro\u00dfen Wende die Geschichte des Sowjet-Kommunismus zun\u00e4chst aus seinen Dokumentationen erfahren.<\/li>\n<li>Er hat an vorderster Front den unabh\u00e4ngigen ORF erk\u00e4mpft \u2013 und ihm, seinen Sehern und H\u00f6rern (und unserer Demokratie) mit diesem Erfolg ungez\u00e4hlte Sternstunden beschert.<\/li>\n<li>Er war dar\u00fcber hinaus eine diskrete, aber \u00fcberzeugende moralische Instanz in Krisentagen unserer Republik, ohne dabei je seine Unabh\u00e4ngigkeit und Unbestechlichkeit preiszugeben.<\/li>\n<li>Und er hat Generationen von Medienleuten vorgelebt, was \u201aJournalismus\u2018 hei\u00dft \u2013 und war ihnen \u2013 also uns! \u2013 ein untr\u00fcglicher Kompass f\u00fcr Wissen und Gewissen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das alles ist angesichts seines Ablebens bereits ausf\u00fchrlich in Erinnerung gerufen worden \u2013 und blieb dennoch vielfach nur die \u201eAu\u00dfenseite\u201c dessen, was sein Ph\u00e4nomen ausgemacht hat \u2013 und bewahrt werden muss; gerade von uns, den Mitgliedern der \u201eConcordia\u201c.<\/p>\n<p>Nur wenige seiner geistig-ethischen Markierung seien noch einmal genannt:<\/p>\n<p>Immer wieder hat uns Hugo Portisch daran erinnert, dass der Journalismus die pers\u00f6nliche Demut ebenso braucht wie den Mut, im Gegenwind zu segeln und notfalls zwischen allen Sesseln zu sitzen.<\/p>\n<p>Von ihm haben wir gelernt, dass es in unserem Vokabular ein Wort m\u00f6glichst nicht geben sollte: Das eitle \u201eIch\u201c. \u201eErz\u00e4hlt niemandem ungefragt, was ihr von Beruf seid\u201c, hat er uns oft l\u00e4chelnd gesagt, \u201eso angesehen ist er nicht\u201c. Und: \u201eVergesst bitte nie: Wenn sie Euch schmeicheln und Euch hofieren \u2013 sie meinen nie Euch, sie meinen immer das Medium\u201c.<\/p>\n<p>Ihm verdanken wir auch die Erkenntnis, dass Journalismus immer nur \u201ageborgte Macht\u2018 ist. Seinen Totalverzicht auf Glanz und Glamour hat er bis in die Todesstunde beibehalten.<\/p>\n<p>Und auch wenn er der festen \u00dcberzeugung war, dass der Journalismus von heute ein ganz anderer (vielleicht noch fordernderer) sei als zu seiner Zeit \u2013 und dass ergraute mediale Ackerg\u00e4ule gut daran t\u00e4ten, sich mit sp\u00e4ten Ratschl\u00e4gen zur\u00fcckzuhalten: Au\u00dfer Zweifel gibt es enorm wichtige Kontinuit\u00e4ten, die heute ebenso gelten wie fr\u00fcher. Auch f\u00fcr sie hat Hugo Portisch bleibende Ma\u00dfst\u00e4be gesetzt. Nur ein paar davon seien hier erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst: Dass Journalisten keine Mitspieler der Politik sind und sein sollen, sondern ein Dienstleistungsgewerbe. Nicht Drehbuchautoren oder Regisseure des innen- und au\u00dfenpolitischen Geschehens und schon gar nicht Akteure, sondern Vermittler, Boten, Kuriere \u2013 dazu verpflichtet, die Geschehnisse m\u00f6glichst pr\u00e4zise so zu berichten, wie sie waren und sind. Um dann, wenn notwendig, auch aufzuzeigen, wo sie anders sein sollten. Immer unter dem Gebot stehend, mit Akribie zu recherchieren.<\/p>\n<p>Wie oft hat er seine Kollegen an das unerl\u00e4ssliche, legend\u00e4r gewordene \u201echeck, re-check, double-check\u201c erinnert, jene dreifache Kontrolle, ohne die kein Artikel in Druck gehen durfte!<\/p>\n<p>Dann: Dass vor Ver\u00f6ffentlichung einer Geschichte immer alle davon Betroffenen gefragt werden und zu Wort kommen m\u00fcssten. Verp\u00f6nt waren herabsetzenden Adjektive, wertende Beiworte \u2013 und jede Verletzung der pers\u00f6nlichen W\u00fcrde. Selbst sein Leitartikel, das \u201aSchmuckst\u00fcck\u2018 seiner Zeitung, musste immer von mindestens einem Kollegen gegengelesen werden, um Fehler m\u00f6glichst auszuschlie\u00dfen. Passierte der Redaktion doch ein Irrtum, dann war er es, der zur raschen Berichtigung dr\u00e4ngte. Denn, so sagte er: Wer zugibt, dass er im Einzelfall irrt, der st\u00e4rkt das Vertrauen der Leser (Seher, H\u00f6rer), im Regelfall korrekt informiert zu werden.<\/p>\n<p>Dann: Dass bei allem, was ver\u00f6ffentlicht wurde, das letzte Urteil immer beim Leser bleiben sollte. Sein Journalismus war kein Tummelplatz f\u00fcr Ideologen und Kreuzritter, f\u00fcr Linientreue und Scheuklappentr\u00e4ger. Hinter jeder \u00dcberzeugung musste das Recht auf Zweifel und Widerspruch gewahrt bleiben.<\/p>\n<p>Dass ihm die klassische Trennung von Meldung und Meinung heilig war, muss kaum erw\u00e4hnt werden. Auch nicht, dass er vom Mehrbedarf der B\u00fcrger nach Analyse, Kommentar und Hintergrund \u00fcberzeugt war. Und bei aller notwendigen Klarheit der Sprache hat er seinen Redakteuren nicht erlaubt, die Intelligenz und das Informationsbed\u00fcrfnis der \u00d6sterreicher zu untersch\u00e4tzen und zu unterfordern.<\/p>\n<p>Ja und auch das muss in Erinnerung bleiben: Hugo Portisch hat vorgelebt, dass Information und Bildung nie langweilig zu sein brauchen, sondern fesseln k\u00f6nnen. Auch, dass jede Meldung erst durch ihre Zusammenh\u00e4nge und Hintergr\u00fcnde die notwendige Bedeutung und Attraktivit\u00e4t bekommt. Und dass es eine Kernaufgabe der Medien ist, im rasch Vor\u00fcberziehenden das Bleibende zu erkennen. Dass also die K\u00fcrze des Tages kein Ma\u00dfstab f\u00fcr Berichterstattung sein darf.<\/p>\n<p>Sein Verh\u00e4ltnis zur Politik und den Politikern war unerschrocken, aber immer fair. Er war \u00fcberzeugt davon, dass beide \u2013 Politik und Medien \u2013 schicksalhaft aufeinander bezogen sind \u2013 aber unter allen Umst\u00e4nden darauf verzichten sollten, das Spielfeld des jeweils anderen zu erobern. Das hat ihn auch pers\u00f6nlich lebenslang immun gemacht gegen jede Verlockung hoher und h\u00f6chster \u00c4mter, die ihm mehrfach angetragen worden waren.<\/p>\n<p>Den politisch Verantwortlichen \u2013 egal, ob zuhause oder drau\u00dfen in der Welt \u2013 ist er in all den Jahrzehnten selbstbewusst und, wo notwendig, auch unbequem-kritisch gegen\u00fcbergetreten. Aber er hat unserer Profession \u00fcberzeugend vorgelebt, dass Interviews keine Verh\u00f6re sind, Kommentare kein Inquisitionsbericht \u2013 und Medien keine modernen Pranger. Portisch war \u00fcberzeugt, dass Demokratie zwar jede Art von Kontrolle braucht, aber ebenso ein Ma\u00df an Grundvertrauen, das von niemandem leichtfertig verletzt werden darf. Vor allem aber, dass Pressefreiheit dort endet, wo sie in Narrenfreiheit entartet.<\/p>\n<p>Und noch etwas: Oft hat er Oscar Pollak zitiert, den legend\u00e4ren Chefredakteur der Arbeiterzeitung, der einmal gesagt hat:\u00a0<em>\u201eDie Leser m\u00fcssen sp\u00fcren, dass man sie gerne hat\u201c<\/em>. Ein wichtiges Wort in einer Zeit, die den Verdacht n\u00e4hren k\u00f6nnte, auf zwei ganz andere Grundhaltungen im Journalismus zu sto\u00dfen. Die eine<em>: \u201eDer B\u00fcrger ist dumm \u2013 und wir sagen ihm, was er denken soll!\u201c<\/em>\u00a0Und die andere:\u00a0<em>\u201eDer B\u00fcrger ist dumm \u2013 also sagen wir ihm, was er h\u00f6ren will\u201c.\u00a0<\/em>Beides steht diametral zu jenem Respekt, den Portisch vor seinem Publikum hatte.\u00a0<em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Bleibt noch ein letztes, pers\u00f6nliches Wort des Schreibers dieser Zeilen: Jahrelang habe ich von einer\u00a0<em>\u201eHugo Portisch-Schule f\u00fcr Medienethik\u201c<\/em>\u00a0getr\u00e4umt \u2013 sie ist leider nie Wirklichkeit geworden. Und sie w\u00e4re heute \u2013 nach dem Niedergang so vieler Institutionen und Sinnangebote \u2013 wichtiger denn je. Denn die Frage, was unsere freiheitliche, zunehmend individualistische Gesellschaft k\u00fcnftig zusammenh\u00e4lt, ist unbeantwortet. Sie aber hat unmittelbar mit der Aufgabe und Positionierung der Medien zu tun: Kann und wird der Journalismus von Morgen mithelfen k\u00f6nnen, diesen Zement des gesellschaftlichen Zusammenhalts immer wieder neu anzur\u00fchren?<\/p>\n<p>Hugo Portisch hat genau diese Aufgabe oft und leidenschaftlich auch im Alleingang erf\u00fcllt: als Journalist und Volksbildner, als Patriot und Welterkl\u00e4rer, als Vorbild an Wissen und Gewissen \u2013 f\u00fcr so viele von uns.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hugo Portisch: Ein Nachruf von Heinz Nu\u00dfbaumer Der Presseclub Concordia trauert um sein Ehrenmitglied Hugo Portisch, der seit 1959 unser Mitglied war und 2011 von der Concordia f\u00fcr sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Laudator damals: Heinz Nu\u00dfbaumer, langj\u00e4hriger Weggef\u00e4hrte Portischs. 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